Rubbididupp

Die EhrenGarde der Stadt Bonn und ihre Schlachtrufe

Die Eskadron Kavallerie im Bonner Hofgarten, 14.09.1975 (Foto: Slg. Erdmann & Zimmer)

Jeder kennt sie, die Schlacht- und Trinksprüche der Ehrengarde, aber die Wenigsten kennen ihre Entstehung. Wir haben uns auf die Suche gemacht, die Geheimnisse zu lüften:

Während der Ruf „Ehrengarde rubbedidupp“ für alle EhrenGardisten gilt, haben sich in den aktiven Formationen zusätzlich eigene Rufe entwickelt.
Die Kavallerie ergänzt den allgemeinen Ruf „Ehrengarde rubbedidupp“ mit den Worten „von Seiten des Corps, von Seiten Palatia, flatsch flatsch“.
Die Infanterie ruft: „Infanterie haas höpp“ und die Artillerie intoniert: „Artillerie ratsch bumm“.

Diese Narrenrufe werden in der Ehrengarde sowohl im Sinne klassischer Schlachtrufe, als auch als Trinksprüche eingesetzt.
Historisch gesehen, war „der Schlachtruf, altertümlich auch Feldgeschrei, vor der Einführung der Uniform das wichtigste Erkennungszeichen im Schlachtgetümmel. Sinn des Schlachtrufes war einerseits den gemeinsamen Kampf- und Korpsgeist zu stärken, aber auch Drohgebärde um den Gegner einzuschüchtern und nicht zuletzt, um sich selbst Mut zu machen. Er wurde seit der Antike von angreifenden Heerhaufen erhoben. Zumeist beruhte der Wortlaut des Rufes auf einer Tradition; er konnte aber auch vor einer Schlacht eigens ausgegeben werden.
Die Schlachtrufe des Mittelalters finden auch als Kriegsgeschrei (Panier) Eingang in das Wappen“ (aus Wikipedia).
Neben der Funktion des sich Mut-machens, fördern Schlachtrufe das Gemeinschaftsgefühl. Auch außerhalb des Militärwesens haben sich solche Erkennungsrufe u.a. im Karneval seit Anfang des 19. Jahrhunderts eingebürgert, z.B. „Kölle Alaaf“ oder „Düsseldorf Helau“. Meistens bestehen sie aus zwei Teilen, den ersten gibt der Befehlshaber bzw. der Kommandierende vor, mit dem zweiten Teil antwortet die Mannschaft.

Aber woher kommen nun unsere Schlachtrufe?

Beginnen wir mit dem Ruf „Ehrengarde rubbedidupp“. Dieser Schlachtruf ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der „Ehrengarde der Stadt Köln 1902 E.V.“ entlehnt. Die Entstehung wird in deren Vereinsgeschichte ausführlich beschrieben. Heinz Stupp, Mitgründer und erster Kommandant der „Ehrengarde der Stadt Köln“ wollte seine neue Reitertruppe als Garde der Kölner Tollitäten installieren. „Es wurde der Ehrengarde zunächst aber nicht gestattet, den angestrebten Platz vor Bauer und Jungfrau im Rosenmontagszug einzunehmen. Obwohl der Festausschuss auch 1902 für das neue Reiterkorps den Platz vor Bauer und Jungfrau nicht freigab, ist es dem umtriebigen Stupp gelungen, mit den damaligen Tollitäten, insbesondere mit Bauer und Jungfrau, einen Husarenstreich „Op echt kölsche Aat“ auszuhecken.
Es wurde verabredet, der Reitergruppe an einer günstigen Stelle durch eine vorgetäuschte Panne die Möglichkeit zu geben, sich in den Rosenmontagszug einzugliedern. Im „Rubbedidupp“ (Kölsch für Ruckzuck) hatten sie sich ihren Platz im Karnevalszug erobert und verteidigen ihn bis heute. An diesen Husarenstreich erinnert der Schlachtruf „Rubbedidupp“.

Für die Herkunft des Rufes der Kavallerie „von Seiten des Corps, von Seiten Palatia, flatsch flatsch“ vermutet Guntram Graf Solms-Sieglin in der Geschichte der Formation folgende - historisch allerdings nicht belegte – Entstehung: „Es gibt in Bonn das hochangesehene Corps Palatiae, die Pfälzer. Man stelle sich vor, die Karnevalisten sitzen in ihrer Kneipe zusammen und intonieren ihren Schlacht- und Trinkspruch „Ehrengarde rubbedidupp“. Am Nachbartisch sitzen Angehörige des Corps Palatiae. Spontan heben sie ihre Gläser und schließen sich dem Toast mit den Worten an: „Von Seiten des Corps, von Seiten Palatia (eigentlich Palatiae, Genitiv), flatsch, flatsch!“ Der Spruch wie wir ihn heute kennen ist geboren.

An die Entstehung des Rufes der Artillerie „Artillerie ratsch bumm“ kann sich Gründungsmitglied Manfred Klauck, im Verein besser bekannt als „Bambi“, noch gut erinnern: In den Anfangsjahren der Artillerie – gegründet 1959 – war es üblich bei den Zusammenkünften in Bonner Kneipen, das Zeughaus gab es damals noch nicht, neben leckerem Kölsch auch rundenweise Stonsdorfer auszugeben. Es muss Mitte der 60er Jahre gewesen sein, dass ein Artillerist nach einem feucht-fröhlichen Abend zu fortgeschrittener Stunde die endgültig letzte Runde Stonsdorfer mit den Worten und einer eindeutigen Handbewegung bestellte: „Dat is de letzte Runde und dann ratsch bumm“. Dies wurde sofort zum geflügelten Wort und alsbald zum Erkennungsruf der Artillerie.

Bei der Herkunft des Infanterierufes „Infanterie Haas höpp“ fehlen leider eindeutige Belege für die Entstehungsgeschichte. Die Infanteristen der ersten Stunde erinnern sich lediglich noch, dass der Ruf bereits im ersten Jahr des Bestehens – 1958 - bei Auftritten gebräuchlich war. Sicher ist, dass der Ruf „Haas höpp“ seit Anfang der 50 er Jahre im Troisdorfer Raum von verschiedenen Karnevalsgesellschaften verwandt wurde, so z.B. von den „Altenrather Sandhasen von 1947“oder den „Mennrather Sankhasen von 1954“. Inwieweit hier eine Verbindung hergestellt werden kann, kann derzeit nicht beantwortet werden. Aber vielleicht hilft dieser Artikel Licht in dieses noch ungelöste Geheimnis zu bringen.

Michael Haunhorst