Wachhäuschen-Aufstellfest

von Karl-Heinz Erdmann

Umzug durch die Bonner Innenstadt anlässlich des Wachhäuschenaufstellfestes am Samstag, den 29. Dezember 2007 (Foto: Aloys Synal)

Anfang des Jahres 1994 machte der seinerzeitige Kavallerieführer Rainer Sodogé den Vorschlag, rechts und links vom Eingang des Stammquartiers der Ehrengarde-Kavallerie, Gaststätte "Kurfürsteneck" (Heerstraße 52), je ein Wachhäuschen aufzustellen. Diese Idee reifte an den folgenden Tagen der Session 1993/1994 immer weiter. Walter Hardy vom "Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 e. V." übernahm engagiert die Organisation. Der Wirt, Ivan Boszic, stiftete das Holz, andere Personen Befestigungsklammern und Nägel, Helmut Vanfürt baute die Häuschen und strich sie an. Da auch ein "Blauer" mit von der Partie war, wurden die ersten zwei Wachhäuschen auf der einen Seite rot-weiß und auf der anderen blau-rot gestrichen.

Das Cadettencorps der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V.", angeführt von Cadettencorpsführer Dieter Koknat, nimmt am Samstag, den 29. Dezember 2007 anlässlich des Wachhäuschenaufstellfestes am Umzug durch die Bonner Innenstadt teil (Foto: Aloys Synal)

Nun konnte eine derart "epochemachende Idee", wie das erstmalige Aufstellen von zwei Wachhäuschen, schlecht in einer Nacht- und Nebelaktion durchgeführt werden, es wurde ein Festzug organisiert. Den Anfang bildeten die "Knüppelchens Junge", gefolgt von der Ehrengarde-Kavallerie in Uniform mit Pechfackeln. Wie Trophäen wurden die Häuschen vor die überfüllte Gaststätte "Kurfürsteneck" getragen. Von der überwiegenden Mehrheit des Ehrengarde-Generalstabs wurde dieses außerplanmäßige Spektakel zunächst aus gebührendem Abstand mit großem Misstrauen beäugt. In den folgenden Jahren wurden die Thekenideen weiter entwickelt - mit wachsender Zustimmung durch den Vorstand. So gab es u. a. in einer Session einen "Ecken-Prinz" und ein "Ecken-Jriitsche". Dieser spontane und urwüchsige Karneval bereitete den Beteiligten viel Spaß und Freude.

Wachhäuschenaufstellfest der Kavallerie

  • 1994 Gaststätte "Kurfürsteneck", Heerstraße 52
  • Freitag, den 27. Januar 1995 Gaststätte "Kurfürsteneck", Heerstraße 52
  • 1996 Gaststätte "Kurfürsteneck", Heerstraße 52
  • Donnerstag, den 9. Januar 1997 Gaststätte "Im Stiefel", Bonngasse 30
  • Freitag, den 9. Januar 1998 Gaststätte "Im Stiefel", Bonngasse 30
  • Mittwoch, den 6. Januar 1999 Gaststätte "Im Stiefel", Bonngasse 30
  • Freitag, den 14. Januar 2000 Gaststätte "Im Stiefel", Bonngasse 30
  • 2001 Gaststätte "Im Stiefel", Bonngasse 30
  • Mittwoch, den 9. Januar 2002 Gaststätte "Im Stiefel", Bonngasse 30
  • Freitag, den 10. Januar 2003 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Sonntag, den 11. Januar 2004 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Dienstag, den 4. Januar 2005 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Montag, den 9. Januar 2006 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Dienstag, den 9. Januar 2007 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Samstag, den 29. Dezember 2008 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Montag, den 12. Januar 2009 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Montag, den 11. Januar 2010 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Montag, den 17. Januar 2011 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Montag, den 9. Januar 2012 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78
  • Mittwoch, den 9. Januar 2013 Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten", Sternstraße 78

Triptychonähnliches Gemälde von Carsten Carstens, das anlässlich des Wachhäuschenaufstellfestes am Samstag, den 29. Dezember 2007 versteigert wurde (Foto: Aloys Synal)

Im Jahre 1996 übernahm Helmut Vanfürth das Amt des Kavallerieführers. Da das "Kurfürsteneck" schloss und erst nach umfangreichen Umbauarbeiten unter neuer Leitung und mit neuem Konzept unter dem Namen "Brauhaus Machold" fortgeführt wurde, musste unter seiner Ägide die Ehrengarde-Kavallerie ihr Stammquartier verlegen. Als mögliches neues Stammquartier standen drei Gaststätten zur Auswahl. Einstimmig entschieden sich die Ehrengarde-Kavalleristen für das traditionsreiche Lokal "Im Stiefel", wo in der Bonngasse 30 im Januar 1997 das Wachhäuschenaufstellfest fortgeführt werden konnte. Am Pechfackelzug nahmen nun - neben dem Dersdorfer Tambourcorps - auch alle anderen Formationen der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V." teil. Diese nutzten seitdem die Gelegenheit, das Aufstellen der Wachhäuschen mit einem abendlichen Umzug durch die Bonner Innenstadt und einem närrischen Neujahrsempfang zu verbinden. Ein Höhepunkt der Neujahrsempfänge ist die inzwischen seit 1997 gepflegte Tradition, ein Bild des Künstlers Carsten Carstens für einen guten Zweck zu versteigern. Der erzielte Erlös wurde und wird dem Cadettencorps der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V." zur Verfügung gestellt.

Der Wachhäuschenaufstellfest-Ansteckorden der Kavallerie der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V."; gestiftet von Heinz Becker.

Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens (Session 1999/2000) ließ sich die Kavallerie der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V.", die seit 1997 von Peter Heidinger als neuem Kavallerieführer geleitet wurde, etwas Besonderes einfallen: Nach einer Idee von Heinz Becker (der auch die Realisierung finanzierte) und einem Entwurf von Wolf-Guntram Graf zu Solms-Wildenfels-Sieglin wurden 300 Wachhäuschenaufstellfest-Ansteckorden angefertigt. Allen Gästen in Uniform und einigen handverlesenen Ehrengästen des Wachhäuschenaufstellfestes konnten Exemplare des neuen Ordens überreicht werden. Jedes Jahr kann der Orden um eine Jahreszahl erweitert werden, jedoch setzt dies die Mitwirkung am Wachhäuschenaufstellfest voraus. Mit diesem "wachsenden Orden" können die Trägerinnen und Träger ihre langjährige Zugehörigkeit zur bzw. Verbundenheit mit der Kavallerie der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V." dokumentieren.

Die Traditionsgaststätte "Zum Gequetschten" in der Sternstraße, Stammquartier der "Ehrengarde der Stadt Bonn e. V." kurz vor Beginn des "Wachhäuschenaufstellfestes" am 29. Dezember 2007 (Foto: Aloys Synal)

In der Session 2001/2002 war ein erneuter Standortwechsel nötig. Aufgrund eines Wirtewechsels wurde das Lokal „Im Stiefel“ verlassen, um in der Traditionsgaststätte „Zum Gequetschten“ in der Sternstraße 78 (vgl. Abb. 5) seitdem das Wachhäuschenaufstellfest weiter kontinuierlich zu feiern.