Geschichte

Vom Vaterstädtischen zur EhrenGarde - der Vier-Namen-Verein

Nachdem in den Jahren 1931 bis 1933 infolge politischer Instabilität und wegen fehlender Finanzen kein Rosenmontagszug mehr stattgefunden hatte und auch andere karnevalistische Aktivitäten zu sterben drohten, beriet ein aus den verschiedensten Gründen interessiertes Gremium über die mögliche Wiederbelebung des Bonner Karnevals

Zu diesem Gremium gehörten neben Anderen die Gründungsväter des Vaterstädtischen Vereines Peter Steeg von der Stadtverwaltung, Druckereibesitzer und Schultheiß des Bonner Männergesangvereines Heinrich Ludwig, Kreishandwerksmeister Jakob Geffeler, Kommandant des Bonner Stadtsoldatencorps Heinrich Mühlens, Ernst Baltes vom Städtischen Verkehrsamt, der Vorsitzende der Wirte-Innung Franz Pierrot, der Vorsitzende der Konditoreninnung Heinrich Frings, der Kaufmann und Vorsitzende des ADAC Peter Gummersbach. Darüber hinaus der ehemalige Festausschussvorsitzende Baron Arnold von Solemacher sowie der Gemeindedirektor Hans Dietz u.a.

Uniformierte Ehrengardisten Marschieren begleitet von einem VW-Käfer der Polizei durch die Bonner Innenstadt. Die schwarzweißaufnahme ist aus den 50er Jahren.

1933 bis 1950

Die Ehrengardisten versammeln sich auf dem Bonner Marktplatz. Im Hintergrund ist der Schriftzug des Metropol Kinos zu erkennen.

Das rheinische Hochfest in der eigenen Vaterstadt

Im Rathaus der Stadt Bonn wurde dann am 9. Dezember 1933 der "Vaterstädtische Verein zur Förderung und Erhaltung des Bonner Karnevals" gegründet. "Dabei sollten nicht nur traditionelle, sondern auch neue Wege gegangen werden. Gedacht wurde auch an Bürgersitzungen, Bürgerbälle usw. Das Ziel war, durch attraktive Veranstaltungen die Bonner Bürger zu bewegen, das rheinische Hochfest in der eigenen Vaterstadt zu verbringen."

Erster Vorsitzender des Vereines wurde Heinrich (Heinz) Ludwig.

Tatsächlich gelang es kaum zwei Monate später am 12. Februar 1934 wieder einen Rosenmontagszug zu organisieren. Im selben Jahr konstituierte sich auch der Elferrat des neuen Vereines.

Trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen konnte der Vaterstädtische Verein in den folgenden Jahren neben den Rosenmontagszügen ab 1935 umjubelte Bürgersitzungen durchführen.

Am 12.11.1937 wurde der Verein zum ersten Mal umbenannt: "Vaterstädtischer Verein zur Erhaltung althergebrachter Sitten und Gebräuche e.V." hieß er fortan. Noch bis 1943 wurden karnevalistische Veranstaltungen (bunte Nachmittage) durchgeführt, danach ruhte das Vereinsleben.

Am 10. Januar 1948 wurde der Antrag auf Wiederzulassung des Vereines gestellt. Ein Jahr später am 23. Januar 1949 wurde die erste Bürgersitzung nach dem Krieg veranstaltet und am Rosenmontag eine Kappenfahrt ohne Prinz und Bonna durch Bonn organisiert. Im November 1949 verwirklichte Hermann Schmitz, ursprünglich Bonner Stadtsoldat, später erster Kommandant der EhrenGarde und Schultheiß, seine Idee der Gründung einer EhrenGarde zur Begleitung des Prinzen, die zu Fuß im Rosenmontagszug 1950 das Prinzenpaar eskortierte.

Unter Mitwirkung der Gründungsväter Peter Steeg und Peter Gummersbach wurde 1951 die Funktion der Dachorganisation für den Bonner Karneval auf eine neutrale Institution den "Hauptausschuss Bonner Karneval" (später Festausschuss) übertragen und damit begann der Umbau des Vereines zu einem veritablen Corps.

Seit dem 21. Mai 1957 führte die Gesellschaft den Namen "Vaterstädtischer Verein - EhrenGarde der Stadt Bonn e.V." zur Erhaltung althergebrachter Sitten und Gebräuche.

Ein schwarzweiß Foto zeigt bewaffnete Ehrengardisten und einen lachenden Herren, welcher einen großen Orden umhängen hat.

1950 bis 2000

Das Interieur des alten Zeughaus. Zusehen sind ein antiker Schrank sowie ein simpler, runder Holztisch mit einigen Stühlen.

Ein Traditionscorps des Bonner Karneval

Auf fast 90 Jahre Vereinsgeschichte kann die EhrenGarde der Stadt Bonn, Vaterstädtischer Verein e. V., zurückblicken und darf sich damit einreihen in die Traditionscorps des rheinischen, speziell des Bonner Karneval. Aus dem bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Vaterstädtischen Vereins, einer Art Dachorganisation des frühen Bonner Karnevals, dem heutigen Festausschuss vergleichbar, entwickelte sich in den Nachkriegsjahren die EhrenGarde in ihrer heutigen Form.

Es war schon eine Sensation im Bonn der frühen Jahre, als sich die ersten rot-weißen Gardisten im Januar 1950 mit ihrem Tanzpaar im damaligen Bürgerverein (dort befand sich das Hotel „Bristol“) der staunenden Öffentlichkeit präsentierten. Die nach dem Vorbild des stolzen Kürassier-Regiments von Seydlitz (Friedrich Wilhelm von Seydlitz, Reitergeneral im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763) entworfenen Uniformen und die schwungvollen Tänze lösten Begeisterungsstürme aus: „Jubel um die rot-weiße EhrenGarde“ überschrieb der Generalanzeiger seine Berichterstattung vom 09. Januar 1950 über die erste Bürgersitzung im Bürgerverein. Sie war neben anderen Veranstaltungen, wie die „Große Prunksitzung für Bundestag und Bundesministerien mit anschließendem Festball“ im Bonner Bürgerverein in den 1950ern sehr begehrt. Zahlreiche Veranstaltungen kamen in den kommenden Jahren dazu. Eine, die  hier stellvertretend genannt werden muss, war die Sitzung für den „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegsbehinderten und Sozialrentner Deutschlands e.V. (VdK)“, die noch bis 2005 zum Standardrepertoire der Gesellschaft gehörte. Damals wie heute sind die Kosten für Veranstaltungen aber gestiegen, sodass viele Veranstaltungen aus Kostengründen aus dem Terminplan verschwanden.

Das Jahr 1960 brachte dem Bonner Karneval nochmal einen Aufschwung. Es war das Jahr, in dem die neue Beethovenhalle fertiggestellt wurde. Fortan fand die „Große Bürgersitzung“ in der neuen Beethovenhalle statt.

Die EhrenGarde wuchs weiter und Ende der 1960er hatte der Verein seine innere Struktur weitgehend gefestigt und auch das äußere Erscheinungsbild entsprach weitgehend den eigenen Wunschvorstellungen. Seit 1957 kamen zu Elferrat und Kavallerie weitere Formationen. Eine Infanterie-Compagnie (1958), eine Artillerie-Formation (1959) und ein Cadettencorps (ebenfalls 1959). Komplettiert wurde die närrische Streitmacht um eine Veteranen-Einheit, den „Mööde Senat“. Die Verbundenheit zu den tragenden Kräften aus Bonner Wirtschaft, Politik und Verwaltung drückt sich im Mitgliederverzeichnis des „Großen Rates“, des „Elferrates“ und des Corps d“Argent, der jüngsten Formation der EhrenGarde (2003) aus. Die Bedeutung der EhrenGarde wuchs und die Bedeutung des Vaterstädtischen Vereines schwand. Dementsprechend wurde der Verein 1987 erneut umgenannt in "EhrenGarde der Stadt Bonn e.V., Vaterstädtischer Verein von 1933" zur Pflege althergebrachter Sitten und Gebräuche.

Mitglieder in ziviler Kleidung heben Ihre Gläser in die Luft.

Wie man unschwer an den Namen der Formationen erkennen kann, kennt man Infanterie, Kavallerie und Artillerie aus dem früheren Militär. Und nichts anderes sollte der urprüngliche rheinische Karneval sein, eine Persiflage auf das frühere Militär. Anders als damals, wo ernsthaft Krieg geführt wurde, geht es hier um geistreiche Verspottung durch übertriebene Nachahmung. Besonders sichtbar ist dies beim Rosenmontagszug. Die Infanterie, das Fußvolk, geht, wie der Name schon sagt zu Fuß. Zwar haben sie auch Gewehre, am Ende Laufs sind aber Blumen, als Zeichen, wir schießen nicht. Während die Infanterie zu Fuß geht, kommt die Kavallerie hoch zu Pferd. (Darauf wird aufgrund von neuen, strengen Auflagen seit ein paar Jahren verzichten). Die Artillerie hört man mit ihren Kanonen schon von weitem, geschossen wird aber natürlich mit Platzpatronen. Sie kündigen im Rosenmontagzug das Kommen des Bonner Prinzenpaares an.

Zahlreiche Bonner Tollitäten entstammen den Reihen der EhrenGarde. Das rot-weiße Corps besteht heute aus ca. 150 uniformierten aktiven, sowie etwa einer gleichen Zahl von inaktiven Mitgliedern. Dem Cadettencorps gehören etwa 40 Jungen und Mädchen an. Außerdem stehen ein Tambourcorps und ein Stabsmusikzug „im Sold“ der EhrenGarde. Dies sind eigenständige Vereine, die aber bei gemeinsamen mit der EhrenGarde ebenfalls die rot-weiße Uniform tragen. Mit einer Vielzahl eigener Veranstaltungen bereichert die Bonner EhrenGarde die Karnevalssession aber auch das gesellschaftliche Leben zwischen Aschermittwoch und dem 11.11.

2000 bis Heute

Die Ehrengardisten stehen staunend vor dem gewaltigen Einsatzgruppenversorgerschiff.

Nicht nur in Bonn und der Region bekannt

Höhepunkt einer jeden Session sind, wie in der Gründerzeit, die großen Bürgersitzung die heute im großen Saal des Maritim Hotels stattfindet und der Rosenmontagszug. Die rot-weißen Farben der EhrenGarde sind jedoch nicht nur in Bonn und der Region bekannt.

Denn EhrenGardisten reisen gerne und so sind Auswärtsfahrten nach Wien, Oxford, Villemomble, Berchtesgaden, Würzburg und Jena zu verbuchen, um den rheinischen Karneval den Menschen dort zu präsentieren. Ein besonderes Highlight stellten die Auswärtsfahrten nach Gotha und Berlin dar. Ganze zehn Jahre fuhr man dorthin, um besonders in Berlin, den Menschen, die aus beruflichen Gründen das Rheinland verlassen mussten etwas Heimat wiederzugeben. Im Jahr 2013 ging es in Norden Deutschlands zur Taufe des Einsatztruppenversorgers Bonn von der Marine, wo bis heute noch eine Freundschaft besteht. Du siehst, der Karneval beschränkt sich nicht nur auf die Zeit vom 11.11. bis Aschermittwoch. Dies zeigte die Ehrengarde eindrucksvoll im Jahr 2008, wo anlässlich des 75-jährigen Bestehens auf dem Bonner Münsterplatz ein großer Zapfenstreich abgehalten wurde.

 

Im Jahr 2015 veranstaltete die EhrenGarde erstmalig einen Sternmarsch, bei dem rheinische Corps aus verschiedenen Richtungen durch die Bonner Innenstadt Richtung Marktplatz ziehen. Hier konnten wir uns über die Teilnahme von Corps aus, Köln, Aachen und der näheren Umgebung freuen. Mittlerweile hält die EhrenGarde seit 2017 ihre „Große Bürgersitzung“ im großen Saal des Hotels Maritim ab und begrüßt dort mehr als 200 Gäste.

Du siehst bei der EhrenGarde ist immer was los. Das möchtest Du live miterleben? Dann komm zu uns und werde Mitglied der EhrenGarde. Drücke einfach unten auf das Banner!

Die Mitglieder der EhrenGarde stehen beim Sternenmarsch 2015 vor dem alten Bonner Rathaus
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